Jahresrückblick des ver.di-Teams Finanzdienstleistungen Niedersachen-Bremen

2020 begann so normal! Am Jahresende wirkt das Bild vom Neujahrsempfang in Hannover bereits wie aus einer anderen Zeit!

Es hätte wohl vor einem Jahr niemand geglaubt, dass in 2020 die meisten Termine über Videokonferenzen stattfinden und sich die Reisezeit unserer Teammitglieder und Aktiven mehr als halbiert.

Das wir im Alltag und bei Aktionen Masken tragen und uns auf Abstand halten!

Was noch vor Kurzem unmöglich schien, ging dann doch rasend schnell und stellte sowohl das Berufs-, als auch das Privatleben gehörig auf den Kopf. Und da waren wir nun wirklich nicht die Einzigen.

Doch was hatte dieses Jahr 2020 denn noch zu bieten, neben Pandemie und Homeoffice?

Für uns und die Beschäftigten der Finanzdienstleistungsbranche war das so einiges…:

Detlev bleibt! Mit Solidarität ins neue Jahr!

Aktion vor dem Arbeitsgericht!

Detlev bleibt – Petition und Artikel. Das Jahr begann mit Solidarität. Denn kurz vor Weihnachten 2019 entschloss sich die Sparda Bank Hannover durch eine völlig überzogene Maßnahme zwei gewerkschaftliche Aktivposten zu kündigen! Eine eindeutig wirkende Antwort auf die starke Tarifrunde der Spardas.

Während sich ein Kollege daraufhin beruflich veränderte, kämpft der Betriebsrat und ver.dianer Detlev Hagenkordt auch über ein Jahr später noch gegen die Kündigung.

Zwar wurde das erste Verfahren vor dem Arbeitsgericht Hannover gewonnen, doch obwohl das Urteil eindeutig ausfiel, eskaliert der Vorstand die Situation weiter und so wird im Frühjahr 2021 die nächste Instanz bemüht. In einer Petition unterschrieben binnen kürzester Zeit mehr als 5.000 Menschen und bringen damit zum Ausdruck: „Detlev bleibt“! Die Sparda Vorstände sind hier auf dem Holzweg.

Ausgründen, verlagern, wenig sagen! Die Deutsche Bank entert die Postbank!

Doch es sollte nicht der einzige harte Angriff bleiben! Nach der hohen Beteiligung der Postbank Beschäftigten in der letzten Tarifrunde, folgten in diesem Jahr Umstrukturierungspläne der Deutschen Bank, die einem harten Schlag auf die Kultur und Organisationsstruktur innerhalb der PB gleichkommt. So hat die Deutsche Bank die Verlagerung eines Großteils des Postbankstandorts Hannover nach Hameln beschlossen. Das bedeutet für die Beschäftigten einen erheblichen zeitlichen Mehraufwand von teilweise mehreren Stunden für den Weg zu Arbeit.

Mit kreativen Aktionen haben die Beschäftigten auf diese für sie unzumutbaren Folgen aufmerksam gemacht und ein breites Echo in der Öffentlichkeit erzielt.

Für die Postbank Systems, die die IT Umgebung der Postbank stellt und auch zahlreiche Projekte in der Deutschen Bank begleitet wurde aus losen Gerüchten im Sommer zum Jahreswechsel auch eine gravierende Veränderung Gewissheit!

Die Deutsche Bank verkauft das Unternehmen zum 01.01.2021 an die Tata Consultancy Services (TCS). Ein Unternehmen des indischen Mischkonzerns Tata Group. Dabei blieb die DB ihrem internen Kommunikationsstil treu und die Belegschaft erfuhr vom Verkauf aus der Presse!

Hier kam uns die fortgeschrittene Digitalisierung in ver.di zu Gute und wir vernetzten gemeinsam mit dem ver.di Team Finanzdienstleistungen aus Nordrhein-Westfalen unsere PB Systems Mitglieder bundesweit miteinander um die Rechtsfragen zu ergründen, aber auch um sich gegenseitig zu stärken. Dieses Netzwerk wird auch nach dem Übergang Bestand haben.

Neben den 1.500 Beschäftigten gehen auch 120 Millionen Euro von der DB auf die TCS über. Soviel lässt sich die Deutsche Bank die Trennung kosten um im Rahmen des Konzernumbaus, bei dem weltweit insgesamt 18.000 Stellen abgebaut werden und ganze Sparten teilweise geschlossen werden, voran zu kommen.

Tarifrunde im öffentlichen Dienst hinterlässt gemischte Gefühle in den Sparkassen!

Und die harte Gangart der Arbeitgeber setzte sich schließlich auch in der Tarifrunde des öffentlichen Dienstes fort. Die Sparkassenverbände drohten sogar mit einem Austritt aus der Tarifgemeinschaft öffentlicher Dienst, wenn nicht eine Kompensation des Tarifergebnisses über die Kürzung der sogenannten Sparkassensonderzahlung erfolgen würde.

Mit geschmacklosen Sprüchen und ohne jedes Verständnis für Argumente trat der SPD Verhandlungsführer Ulrich Mädge die Sozialpartnerschaft mit Füßen. Mehr als Applaus für das Aufrechterhalten des Zahlungsverkehrs während des ersten Lockdowns sollte es nicht geben.

Aber unsere Mitglieder wehrten sich! Neben dem Erstellen von kreativen Videos, einer bundesweiten Fotopetition und digitalen Mahnwachen beteiligten sich mehr als doppelt so viele Beschäftigte wie bislang an den Tarifaktionen und Streikaktivitäten (wie hier zu sehen in Hannover). In ganz Niedersachsen prägten die Sparkassenwesten die Szenerien. Filialen blieben geschlossen und im Callcenter ging niemand mehr ans Telefon.

Doch am Ende blieben auch zu viele Sparkassen geöffnet, sodass zwar die SSZ als solches gerettet werden konnte, aber eben nicht als Ganzes. Eine Gegenleistung über freie Tage erfolgt und auch die Coronaprämie gibt es für die Beschäftigten, aber als Fazit sagt auch unser Sparkassenverhandlungsführer Christoph Schmitz selbstkritisch: „Gewünscht hätten wir uns was anderes!“.

Tarifliche Lösung zu Kurzarbeit kommt bei Versicherungen nur selten zum Einsatz

Die Versicherungsbranche ist bisher gut durch die Krise gekommen. Der schnell abgeschlossene Tarifvertrag zur Kurzarbeit kam zum Glück nur in den wenigsten Häusern zu Anwendung. Geprägt war das Jahr auch für die Beschäftigten in den Versicherungsunternehmen insbesondere durch die Arbeit zu Hause. Viele Kollegeninnen waren teilweise seit Monaten nicht mehr in ihren Büros.

Mittlerweile werden auch die negativen Aspekte wie der fehlende Kontakt zwischen den Kollegeninnen und Mängel bei der ergonomischen Ausstattung der Arbeitsplätze zu Hause deutlich. Hier zeigt sich „Solidarisch ist man nicht alleine!

Betriebliche Mitbestimmung im Spannungsfeld der Corona Epidemie

[Zeichnung: Ahlff]

Und auch wenn wir bis hier her fast ohne „das Kind beim Namen zu nennen“ durch den Jahresrückblick gekommen sind zeigte sich insbesondere in der Zusammenarbeit mit Betriebs-, Personalräten und Jugend- und Auszubildendenvertretungen die Krise in ihrer ganzen, mächtigen Breite.

Fast von heute auf morgen mussten wir, als zugegebenermaßen noch nicht ganz im digitalen Zeitalter angekommene Organisation die Gremien und Beschäftigten rund um die Themen „Arbeit von zu Hause“, Kurzarbeit und Kinderbetreuung beraten.
Das Ganze selbst vom heimischen Schreib-, oder Küchentisch aus.

Doch auch unsere Ausstattung verbesserte sich, wir verbrachten Stunden in Videoschulungen und konnten neben tariflichen Regelungen z.B. bei den Versicherungen auch durch Mustervereinbarungen und juristischer Unterstützung den ver.di Mitgliedern und Gremien helfen und gemeinsam die Situation mit gestalten.

Neue digitale Formate wie der „ver.di webEx Infolog„, oder die Vernetzung von Betriebsräten, Personalräten und JAVen erfreuen sich bereits steigender Beliebtheit und werden unseren Kommunikationsmix auch über die Krise hinaus bereichern.

Und auch in den ver.di Betriebsgruppen wurden kreative Lösungen gefunden. Newsletter, Blogs, Podcasts und eine regelmäßige, eigene digitale ver.di Zeitung entstanden so binnen kürzester Zeit.

Neues Duo an Bord – Das Team der Hauptamtlichen komplettiert sich

Das ver.di Team „Fidi“ blickt mit Abstand zurück auf ein außergewöhnliches Jahr 2020.

Doch nochmal zurück zu den Sparkassen…:

Unser langjähriger Kollege Steffen Moldt hat innerhalb von ver.di eine neue Aufgabe angenommen. Doch zuvor gelang durch sein Engagement bei der Landessparkasse zu Oldenburg ein echter Durchbruch. Wir konnten dort mit mehreren Mitgliedern aus dem Privatkundengeschäft erfolgreich eine höhere Eingruppierung verhandeln. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Steffen für die gute, gemeinsame Zeit und für sein Verhandlungsgeschick bei der LzO. Auch für den neuen Bereich wünschen wir ihm alles, alles Gute!

Martina Hartung
[Foto: Foto- und Bilderwerk]

Seit 1. August 2020 können wir unsere neue Kollegin Martina Hartung in Oldenburg begrüßen, die sogleich die Tarifrunde im öffentlichen Dienst anging und in der aktuellen Tarifrunde der Spielbanken in Niedersachsen mitmischt. Dort gab es zuletzt wenig Bewegung seitens des Arbeitgebers, sodass die Verhandlungen in 2021 fortgesetzt werden.

Damit ist Martina, die zuvor für ver.di in Mecklenburg-Vorpommern arbeitete bereits mittendrin in der „Fidi-Welt“!

René Rudolf-Baumgartner

Und auch in Hannover konnten wir bereits zum Jahresbeginn einen neuen Kollegen willkommen heißen:

René Rudolf-Baumgartner wechselte aus Berlin zu uns und hat sich bereits in den Bereichen private/ öffentliche Banken und Genossenschaftsbanken eingearbeitet.

Somit konnten erstmals seit längerer Zeit alle Stellen planmäßig besetzt werden.

DANKE.

Unsere aktiven ver.di Mitglieder im Fachbereich haben in diesem Jahr herausragendes geleistet. Tausende Stunden in Besprechungen und Videocalls, trotz Corona zahlreiche kreative Aktionen und Lösungen erarbeitet. Immer ein offenes Ohr für die Kolleginnen und Kollegen im Betrieb. Dazu der Spagat zwischen Präsenz und Home-Office. Zwischen Famile, Beruf und Ehrenamt.

Dafür ein ganz herzliches DANKESCHÖN!

Ausblick

Mit dem Wissen diesen Jahres im Gepäck traut man sich kaum einen Ausblick, oder gar eine Prognose für 2021 abzugeben. Doch wir versuchen es einfach trotzdem mal:

Tarifkommission der Spielbanken in Niedersachsen

Auch zu Beginn des neuen Jahres begleitet uns die solidarische Unterstützung von Detlev aus der Sparda Bank. Wir hoffen auf eine Bestätigung des für uns positiven Urteils und darauf, dass der Vorstand zur Vernunft kommt und das Thema zu den Akten legt.

Nach der bereits angesprochenen, laufenden Tarifrunde der Spielbanken läuft im ersten Quartal auch der Tarifvertrag der Sparda Banken aus. Und dort deutet bereits vieles auf eine erneut harte Auseinandersetzung hin.

Es folgen im Jahresverlauf die Tarifrunden der privaten- und erstmals davon losgelöst die der öffentlichen Banken.

Daneben steht für uns der schmerzhafte Abschied unseres Landesfachbereichsleiters Jörg Reinbrecht im Kalender. Er wird nach der Hälfte des Jahres in den ver.dienten Ruhestand gehen und Verhandlungen zukünftig mit seinen Enkelkindern führen.

Als wäre das nicht des Wechsels genug, fusionieren innerhalb der Organisation verschiedene Brancheeinheiten in den nächsten Jahren miteinander und bilden einen neuen Fachbereich, den es durch unsere Aktiven mit Leben zu füllen gilt.

Und mit Leben füllen wollen wir auch unsere Gewerkschaft!

Ergänzend zu unseren Gremienstrukturen soll mit unseren Mitgliedern eine digitale, agile, transparente und selbstbestimmte Projektstruktur entstehen um den Herausforderungen der Zukunft auch Generationsübergreifend gewachsen sein zu können!

2021? Wir sind bereit!

Impressionen eines außergewöhnlichen Jahres

Auch auf youtube

Wir wünschen Euch schöne Feiertage, Gesundheit und einen guten Rutsch ins Neue Jahr! Auf Wiedersehen in 2021!

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