Was hat die Landkarte von Utcubamba, ein bergiges Dschungelgebiet in der peruanischen Provinz Amazonas, mit meinem Outlookkalender gemein? Es gibt dort noch wenige weiße Flecken. Doch während sich die Landvermesser und Forscher in Utcubamba mühselig vorantasten, um diese Flecken auf der Landkarte zu füllen, passiert dies bei den freien Terminen in meinem Outlookkalender ganz alleine. Eine Videokonferenz passt halt besser zwischen zwei andere Termine als ein Präsenztermin. Zumal ich zu diesen Terminen unter Umständen noch anreisen müsste. Von einem Termin in den nächsten, ohne Verschnaufpause durch Raumwechsel oder Anreise. Die Technik macht es möglich, die Pandemie persönliche Treffen weiterhin meist unmöglich. Oft fühle ich mich am Abend dann völlig ausgelaugt, obwohl ich den ganzen Tag meinen Schreibtisch im Home-Office nicht verlassen habe. Geht Euch das auch so?

Dieses Gefühl trügt nicht und die Belastung resultiert auch nicht nur aus der deutlich höheren Termindichte, die viele von uns durch die Nutzung neuer Techniken haben, sondern auch aus dem Modell Videokonferenz an sich. Man sprich hier von Zoom-Müdigkeit oder Zoom-Fatigue. Prof. Dr. Jutta Rump und Marc Brandt vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen haben sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und eine Befragung durchgeführt. Ich habe mich mit Frau Rump über Zoom-Fatigue unterhalten.

Auswirkungen von Zoom-Fatigue

Annähernd 60 % der Befragten geben an, dass Sie durch die zunehmende Nutzung virtueller Kommunikationsmittel wie Videokonferenzen eine Müdigkeit oder gar Erschöpfung verspüren. Diese Zoom-Müdigkeit oder Zoom-Fatigue äußert sich in den meisten Fällen durch eine Reduktion der der Konzentration, Ungeduld und einem Gefühl des Genervt seins. Es können aber auch andere Symptome auftreten:

  • Reduktion der Konzentration
  • Fahrigkeit
  • Ungeduld
  • Erhöhte Reizbarkeit
  • Fehlende Balance
  • Unwirsches Agieren gegenüber Mitmenschen
  • Genervt sein
  • Kopfschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Magenschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Sehstörungen

Studien zum Gesundheits- und Arbeitsschutz zufolge, decken sich diese Ergebnisse mit Entwicklungsstufen bei Belastungen. Wir sollten Zoom-Fatigue also nicht auf die leichte Schulter nehmen. Auch die ersten Auswertungen unserer ver.di Beschäftigtenbefragung weisen auf eine weiter zunehmende Arbeitsbelastung bei den Versicherungsbeschäftigten hin. Die vielen Videokonferenzen in der Pandemie tragen da nicht gerade zu einer Verbesserung der Situation bei. Aber was belastet uns an einem Skype, MS Teams oder WebEx Meeting soviel mehr als wenn wir uns in Präsenz treffen?

Was sind die Ursachen der Belastung?

Den Ergebnissen der IBE Studie zufolge sind dafür viele verschiedene Belastungstreiber verantwortlich. Zu nennen sind zunächst interpersonelle Aspekte. 70 % der Befragten empfinden das Fehlen nonverbaler Hinweise wie Gestik und Mimik als belastend. Rund 52 % vermissen die Möglichkeit zum Small Talk und das mangelnde Netzwerken. Ein weiterer Belastungstreiber ist die Organisation, also die hohe Taktung der Meetings und fehlende Pausen in und zwischen den Meetings. Um von einem Meeting ins nächste zu gehen müssen wir nicht mehr den Raum wechseln oder vielleicht sogar anreisen. In unserer aktuellen virtuellen Welt genügt dafür ein Mausklick. Diese Technik wird aber zum Teil auch selbst zur Belastung. 40 % der Befragten empfinden mangelnde Ton- und Bildqualität sowie instabile Internetverbindungen bei Videokonferenzen als belastend.

Die stärksten Belastungen entstehen durch mangelnden sozialen und informellen Austausch (keine non-verbale Kommunikation, kein Smalltalk).

Prof. Dr. Jutta Rump
Institut für Beschäftigung und Employability

Die fehlende menschliche Interaktion ist also ein wichtiger Belastungstreiber. Dieses Ergebnis kennen wir auch aus Studien und der ver.di Befragungen zur Arbeit im Home-Office. Darin wird von Beschäftigten der fehlende Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen am häufigsten als Nachteil genannt.

Lösungsansätze zum Umgang mit Zoom-Fatigue

Zoom-Fatigue stellt also einen zusätzlichen Belastungsfaktor dar. Wie gehen wir damit um? Videokonferenzen werden auch nach der Pandemie weiter eine wichtige Rolle bei unserer Arbeit spielen. Im Rahmen der Befragung durch das IBE wurden auch unterschiedliche Maßnahmen zur Reduktion von Zoom-Fatigue zur Diskussion gestellt. Die Mehrheit der Befragten hat sich dabei für eine Begrenzung der Meeting-Dauer sowie für Pausen zwischen den virtuellen Meetings ausgesprochen. Aber schon eine humorvolle Moderation kann eine sinnvolle Maßnahme gegen Zoom-Fatigue sein.  

  • Künstliche Pausen (5-10 Minuten) in den virtuellen Meetings
  • Pausen (ca. 10 Minuten) zwischen den virtuellen Meetings
  • Moderation der virtuellen Meetings, die auch humorvoll ist
  • Moderation der virtuellen Meetings, die alle Teilnehmer*innen mit einbezieht
  • Begrenzung der Meeting-Zeit
  • Zeitslots für die Themenfelder im virtuellen Meeting
  • Tools, die einen „Together Mode“ anbieten / Schaffung einer Wahrnehmung, dass wir alle in einem Raum sitzen
  • Tools, die die Blickrichtung einer Person korrigieren / Attention Correction

Quelle: Institut für Beschäftigung und Employability IBE